VILLA MUSICA

Seit mehr als 30 Jahren fördert die Villa Musica (Stammhaus in Mainz), eine Stiftung des Landes Rheinland-Pfalz mit Beteiligung des SWR-Rundfunks, jung Musiker, die entweder noch im Studium oder ohne festes Engagement sind. Das Schloss Engers, Neuwied-Engers, ein Barockschloss des trierischen Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff (1701-1768), um 1760 als Jagdschloss errichtet, beherbergt seit 1995 die Akademie für Kammermusik der Villa Musica.

Am Samstag waren die Musiker der Villa Musica wieder zu Gast im Augustinum. Auf dem Programm standen die beiden Streichquintette Nr. 1 A-Dur Opus 18 und Nr. 2 B-Dur Opus post. 87 (ediert von den Erben) von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Der in Hamburg geborene Komponist gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik. Außerdem war er wesentlich an der Wiederentdeckung der Werke von Händel und Bach beteiligt, da er deren Kompositionen vermehrt aufführte. 1843 gründete Mendelssohn in Leipzig die erste Musikhochschule Deutschlands, das Konservatorium Leipzig. In den Jahren 1825-1847 trafen sich die Musikliebhaber alle zwei Wochen zu den legendären Sonntagskonzerten bei Mendelssohns. Hier erlebte auch das 1. Streichquintett 1826 seine Uraufführung.

Die Ausführenden waren: Boris Garlitsky, Violine I, Sarah Décamps, Violine II, Shira Majoni, Viola I, Sào Soulez Larivière, Viola II, Elia Cohen Weissert, Violoncello.

Boris Garlitsky (*1952), der in Moskau geborene und seit 1991 in Frankreich lebende Geiger und Musikpädagoge, war bis 1999 Konzertmeister des Orchestre National de Lyon sowie langjähriger Konzertmeister beim London Philharmonic Orchestra und an der Covent Garden Opera, London. Seine Solistenkarriere auf dem internationalen Parkett begann 1982 mit dem 1. Preis beim Paganini-Wettbewerb Genua. Viele renommierte Orchester auf der ganzen Welt begleiteten seinen Weg und Violinvirtuosen wie Pinchas Zuckerman und Anne-Sophie Mutter waren seine Partner. Heute widmet sich Boris Garlitsky hauptsächlich der Ausbildung junger Künstler, als Professor an verschiedenen Musikhochschulen oder als Dozent mit Meisterkursen. 2015 erschien seine erste Villa Musica-CD mit Stipendiatinnen und Stipendiaten der Villa Musica mit Streichquartetten von Brahms und Dvořák.

Sarah Décamps (*1996) erhielt ihren ersten Violinunterricht am CRR Toulouse (Frankreich). Seit 2016 studiert sie bei Boris Garlitsky. In der Villa Musica ist sie seit 2017 Stipendiatin. Bei den unterschiedlichsten Klangkörpern, von französischen Jugendorchestern bis zu den Philharmonien ihres Heimatlandes, sammelt sie Orchestererfahrung.

Shira Majoni (*1989), in Israel geboren, erhielt ihren ersten Unterricht am Jerusalem Music Centre. Ihren Bachelor schloss sie an der Buchman-Mehta School of Music in Tel Aviv, und ihren Master am New England Conservatory in Bosten ab. Derzeit befindet sie sich im Diplom-Studiengang an der Barenboim Akademie in Berlin. 2013 gewann sie den Top Prize für Viola und Special Prize for Best Performance of an Israelie Composition beim Aviv Wettbewerb. Stipendiation an der Villa Musica ist sie seit 2016.

Sào Soulez Larivière, 1998 in Frankreich geboren, erhielt mit acht Jahren Geigenunterricht an der Yehudi Menuhin School, Surrey, England. 2016 wechselte er zur Bratsche. Zur Zeit studiert er an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin. Bei zahlreichen Wettbewerben heimste er Preise ein. Als leidenschaftlicher Orchester- und Kammermusiker hatte er bereits etliche Auftritte in Großbritannien und auf dem Kontinent. Seit 2018 ist er Stipendiat der Villa Musica.

Elia Cohen Weissert, geboren 1994 in Jerusalem, begann mit sieben Jahren Cello zu spielen. Schon als Jugendliche gewann sie bei nationalen Wettbewerben und wurde mit einem Stipendium von der America-Israel Foundation unterstützt. Im Alter von 14 Jahren zog sie nach Berlin, um am Julius-Stern-Institut ihre Ausbildung fortzusetzen. Mit 17 begann sie ihr Studium an der Universität der Künste Berlin. Seit 2016 ist sie Studentin an der Queen Elizabeth Music Chapel in Brüssel. Als Solistin trat sie mit verschiedenen Orchestern auf.

Das Streichquintett Nr. 1 A-Dur Opus 18 besteht aus den Sätzen: 1. Allegro con moto, 2. Intermezzo. Andante sostenuto, 3. Scherzo. Allegro di molto und 4. Allegro vivace. Alles begann sehr ruhig und weich mit dem ersten Satz. Der zweite Satz, mit Intermezzo überschrieben, wurde durch die Nachricht vom Tod seines Freundes Rietz beeinflusst, und war erfüllt mit tiefer Trauer. Der dritte, rasend schnelle Satz, der geradezu ein Feuerwerk in Szene setzte, verlangte von den Musikern eine unwahrscheinliche Präzision. Im vierten Satz begann ein Marsch die Wucht des vorangegangenen Satzes zu mildern und erlaubte den Zuhörern eine Atempause.

Das Streichquintett Nr. 2 B-Dur Opus post. 87 besteht aus diesen Sätzen: 1. Allegro vivace, 2. Allegretto scherzando, 3. Adagio e lento und 4. Allegro molto vivace. Hier war es besonders der dritte Satz, der fast körperlich spürbare Trauer erzeugte. Das Finale mit dem vierten Satz holte dann wieder in die Gegenwart zurück. Allerdings fand Mendelssohn Bartholdy selbst diesen Satz als zu oberflächlich und wollte ihn noch überarbeiten. Sein früher Tod verhinderte dies jedoch, so dass es an den Erben lag das Quintett in der vorliegenden Fassung zu editieren.

Das Quintett hat diese beiden Konzertstücke einfach großartig dargeboten. Das sind keine Musiker am Anfang ihres Weges sondern auf dem Sprung zu einer möglichen großen Karriere. Ihr Dozent, Boris Garlitsky hatte ganze Arbeit geleistet, und nur ganz vereinzelte Gesten zu den Einsätzen waren seinerseits notwendig. Was sie besonders im dritten Satz des ersten Quintetts darboten war geradezu umwerfend. Nicht umsonst gehört der Auftritt mit den Musikern der Villa Musica zu den Höhepunkten der Konzerttätigkeit in Rheinland Pfalz.

Lang anhaltender Applaus des zahlreich anwesenden Publikums – alle verfügbaren Karten waren verkauft worden – dankte den Künstlern. Begeistert vom Können und dankbar für die wunderbare Musik. Ich bin mir sicher, dass dieses Konzert bei nicht wenigen der Zuhörer lange nachhallen wird.